Ich wohne in einem kleinen Ort in der Nähe von Mannheim. Hier gibt es außer mir keinen Fotografen.
Vor einiger Zeit kam ich auf die glorreiche Idee, meine Adresse in das Branchenbuch eintragen zu lassen. Seitdem bekomme ich sehr viele Anfragen nach Passfotos.
Schade, dass ich keine Passfotos anbiete. Das wäre hier am Ort eine echte Marktlücke …
Das Magazin “Ad Hoc News” berichtet in einem kurzen Artikel und einer Bildstrecke über meine Arbeit. Interessant war für mich, dass für die Veröffentlichung teilweise auch Fotos ausgesucht wurden, die bereits ca. 8 Jahre alt sind.
Zur Zeit findet in Mannheim der Maimarkt, die größte deutschte Verbraucherausstellung, statt. Dort bin ich damit beauftragt, Modenschauen und Veranstaltungen zu fotografieren.
Außerdem habe ich den Stand der Inter-Versicherung besucht, die mit den Werbefotos, die ich von Dr. Markus Merk erstellt habe, ihren gesamten Stand ausgestaltet hat.
Der Fotograf André Wagner erläutert in einem Film der Landeszentrale für politische Bildung, wie er das Internet nutzt, um als Fotograf Geld zu verdienen. Das ganze läuft unter dem Titel “Arbeit 2.0″. Nach dem Fotografen sind weitere Filme mit einem Kommunikationdesigner und einem Musiker geplant, die ebenfalls das Internet für ihre kommerziellen Aktivitäten nutzen.
Ein befreundeter Fotograf hat ein Jahr lang regelmäßig Produktfotos für den Werbeprospekt eines Feinkostgeschäfts gemacht. Er hat Weinflaschen, Trüffelpasteten und ähnliches fotografiert und in seinem Studio sah es dann aus wie in einer Gourmetbude. Als Honorar bekam er 30 Euro pro Produkt.
Von einem Tag auf den anderen war er den Job los. Wie er anschließend erfuhr, hatte ein Mitbewerber 15 Euro für jedes Produktfoto geboten und prompt den Auftrag übernommen.
Heute morgen hat die Besitzerin eines Online-Shops für Kleidungsstücke bei mir angefragt. Ich soll für ihren Online-Katalog T-Shirts, Hosen und so weiter fotografieren. Pro Produkt braucht sie 6 verschiedene Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln und möchte 2 Euro pro Produkt bezahlen. So günstig habe sie es bei ihrem bisherigen Fotografen auch bekommen.
Ich fürchte, bei diesen Preisen kann ich nicht mithalten.
Für Fotografen sind Referenzen, ebenso wie für Models, sehr wichtig. Insbesondere sind sogenannte Tearsheets sehr gerne gesehen, da so nachgewiesen wird, dass ein realer Auftrag hinter den Fotos stand und die Bilder auch kommerziell verwendet werden.
Daher bin ich immer sehr interessiert daran, Belegexemplare meiner genutzten Fotos zu bekommen. Nicht immer klappt das, weil es für eine Werbeagentur oder die Marketing-Abteilung einer Firma Monate nach dem Fotoshooting einen nicht unerheblichen Aufwand bedeutet, die Drucke an den richtigen Fotografen zu versenden. Ein freundliches Nachfragen wirkt da manchmal Wunder.
Es kommt aber auch vor, dass ich die Nutzung meiner Fotos eher zufällig erfahre. Mich rief zum Beispiel einmal ein Model an, weil sie sich gerade am Zeitschriften-Kiosk auf dem Titel einer Illustrierten entdeckt hatte. Da die Zeitschrift schon im vorherigen Monat erschienen war, hatte ich Mühe, an meinem Heimatort überhaupt noch ein Exemplar davon zu bekommen.
Ende letzter Woche war es dann wieder einmal soweit: Bei einem Stadtbummel in Mannheim fiel mir der Katalog der Kosmetikmarke Arya-Laya in die Hände. Der Katalog war fast ausschließlich mit Bildern gestaltet, die von mir stammen. Die Werbechefin der Firma hatte mir zwar vor einiger Zeit angekündigt, dass dieser Katalog geplant ist, es aber dann wohl doch vergessen, mir ein Exemplar davon zuzuschicken.
Heute bekam ich eine sehr interessante Shootinganfrage: Die deutsche Hockey-Nationalmannschaft spielt über die Osterfeiertage in einem Turnier in Mannheim gegen verschiedene andere Nationalmannschaften. Es sind Bilder von packenden Spielszenen gefragt, die dann auf einem großen Werbeplakat gedruckt werden sollen.
In der Sportfotografie habe ich wenig Erfahrung, das habe ich dem Mitarbeiter der betreuenden Werbeagentur auch gesagt und ihm geraten, eher einen anderen Fotografen zu beauftragen. Im Normalfall empfehle ich in solchen Situationen einen mir bekannten Fotografen, dem ich den Job zutrauen würde. Ich kenne viele Fotografen, und so habe ich schon vielen Kollegen zu guten Aufträgen verhelfen können.
Auch dieses mal hat mich der Anrufer explizit danach gefragt, ob ich nicht einen geeigneten Fotografen kenne. Leider konnte ich auf die Schnelle keinen Fotografen benennen, der sich auf Sportfotografie spezialisiert hat und für den Auftrag in Frage gekommen wäre und so haben ich den Menschen der Werbeagentur allein weitersuchen lassen müssen.
In diesem Zusammenhang: Ich bin immer interessiert an konstruktiver Zusammenarbeit mit anderen Fotografen. Es gibt immer Fälle, in denen man sich ergänzt, gegenseitig weiterhelfen oder, wie im beschriebenen Fall, einen Auftrag weiterreichen kann.
Kommentare
R. Kneschke @ 18.03.2008 14:25 CEST
Hallo Michael,
falls jemanden einen Fotograf für Konzerte braucht, kannst Du ja an mich denken…
Michael @ 18.03.2008 19:30 CEST
Mache ich gerne, Robert
Ob sie mit einem Fernsehteam bei mir im Fotostudio vorbeikommen kann und ein Fotoshooting drehen, fragt mich die Redakteurin eines Fernsehsenders.
Klar, das freut mich, da bin ich gerne dabei. Vor etwa einem Jahr ist ja bereits Pro 7 in meinem Studio gewesen und hat ein Shooting gedreht. Das war sehr interessant und hat auch ein wenig Publicity gebracht.
Aber bevor ich zusage, möchte ich noch ein paar Details klären: Daher frage ich, ob mein Name in dem Filmbericht genannt oder im Bild eingeblendet wird. Nein, sagt die Dame, das ist leider nicht möglich.
Aber dann gibt es sicher ein Honorar für den Dreh. Nein, sagt sie, das ist nicht vorgesehen.
Na toll, was soll ich dann für ein Interesse haben, daran mitzuwirken? Darauf weiß sie leider auch keine Antwort.
Unter diesen Voraussetzungen musste ich leider absagen. Pro 7 hatte vor einem Jahr ein Honorar gezahlt, auf meine Website hingewiesen und auch meinen Namen im Bild eingeblendet. Das fand ich sehr fair.
Filmbericht PRO 7 im Fotostudio Omori